top of page

Franziska Pietsch

Violine

Sonja_Werner_5106.jpg

Foto: Sonja Werner

Es gibt Augenblicke, in denen zwischen einem Kunstwerk und einem Menschen etwas geschieht, das sich weder herstellen noch erklären lässt. Sie lassen sich nicht erzwingen.

Als Solistin und Kammermusikerin konzertiert Franziska Pietsch in Konzerthäusern Europas, Asiens sowie Nord- und Südamerikas. Zu ihren künstlerischen Partnern zählen renommierte Orchester und herausragende Musikerpersönlichkeiten. Ihre Einspielungen zeugen von einer unverwechselbaren künstlerischen Handschrift und wurden vielfach international ausgezeichnet. Dazu zählen der International Classical Music Award (ICMA) sowie den Vierteljahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik für die Einspielung der Violinkonzerte von Sergej Prokofjew mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter der Leitung von Christian Măcelaru.


Früh als außergewöhnliche musikalische Begabung erkannt, debütierte Franziska Pietsch bereits als Elfjährige an der Komischen Oper Berlin. Ihre Ausbildung erhielt sie bei Werner Scholz an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Mit dem 1. Preis beim Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb in Leipzig schien ihr der Weg auf die großen Konzertpodien bereitet.

Dann veränderte die Flucht ihres Vaters aus der DDR die Geschichte der Familie grundlegend. Mit dem Ausreiseantrag ihrer Mutter begann für die Familie eine mehr als zweijährige Zeit staatlicher Repressionen,bis ihr schließlich die Ausreise in den Westen gelang. Besonders die junge Geigerin, die bidahin als musikalische Hoffnung der DDR gefördert worden war, verlor von einem Tag auf den anderen ihren Platz im  System. Was folgte, bedeutete weit mehr als das abrupte Ende einer außergewöhnlichen musikalischen Entwicklung. Es war der Versuch, einer jungen Künstlerin ihre Stimme zu nehmen.

 

Gerade in der erzwungenen Stille entstand eine Frage, die ihr künstlerisches Leben bis heute begleitet. Ihr wurde bewusst, dass große Werke ihren Schöpfer überdauern – und durch jene lebendig bleiben, die sie mit ihrer eigenen künstlerischen Stimme weitertragen.


Die Begegnung mit Ulf Hölscher wurde für diesen Weg wegweisend; weitere entscheidende Impulse erhielt sie an der Juilliard School in New York bei Dorothy DeLay.


Wer sich einem großen Werk nähert, begegnet immer auch sich selbst.

 

Daraus entwickelte sich ihr künstlerischer Weg.

 

Ob als Solistin, in der Kammermusik, als Konzertmeisterin oder in der Wiederentdeckung selten gespielter Werke – stets geht es um dieselbe Frage: Wie kann ein Werk heute lebendig werden?


Dieser Weg führt Franziska Pietsch bis heute auf die großen Konzertpodien ebenso wie in die Welt der Kammermusik. Er führt sie zu Dirigenten wie Christian Măcelaru, Antoni Wit und Horst Stein ebenso wie in die Berliner Philharmonie, die Elbphilharmonie Hamburg, das Palais des Beaux-Arts in Brüssel die Fundación Juan March in Madrid und zu internationalen Kammermusikfestivals.


In der Kammermusik findet dieser Weg seine konzentrierteste Form. Mit dem Trio Testore verwirklichte Franziska Pietsch die Gesamteinspielung der Brahms-Klaviertrios und gründete das Festival „Mai Klassik“. Im Trio Lirico ist eine musikalische Partnerschaft entstanden, deren gemeinsame künstlerische Sprache den Mittelpunkt ihres kammermusikalischen Schaffens bildet. Zahlreiche Einspielungen, vielfach ausgezeichnet und für internationale Preise nominiert, dokumentieren diesen Weg.


Viele ihrer Einspielungen folgen bewusst gestalteten Programmen, in denen scheinbare Gegensätze aufeinandertreffen. Bekanntes und Unbekanntes, Vertrautes und Wiederzuentdeckendes treten dabei in einen musikalischen Dialog und eröffnen neue Perspektiven auf die Werke. Beispielhaft dafür stehen die Welt-Ersteinspielung spanischer Klavierquartette von Bartolomé Pérez Casas und Vicente Zurrón mit dem Pianisten Josu de Solaun und dem Trio Lirico sowie Richard Strauss’ Violinkonzert mit dem Orquesta Ciudad de Granada.


Aus dieser künstlerischen Haltung heraus entwickelte Franziska Pietsch mit musikMachtPoesie eine eigene Konzertdramaturgie. Gemeinsam mit einem Schauspieler verbindet sie Musik und Sprache zu Programmen, die das Publikum tief in die innere Welt der Komponisten und die Entstehungsräume ihrer Werke führen.

Regelmäßig ist Franziska Pietsch als Gesprächspartnerin in Kultur- und Musiksendungen zu Gast. Im Mittelpunkt ihrer Gespräche stehen die existenzielle Kraft der Musik, ihre Verbindung zur Literatur und die Frage, wie Kunst Menschen über Zeiten und Generationen hinweg berühren kann.

Auch ihr lyrisches Schreiben entspringt derselben Quelle. Im Gedichtband Seelenlandschaften findet es seinen Ausdruck.


Mit WINTERKLASSIK verwirklichte Franziska Pietsch einen lang gehegten künstlerischen Gedanken: einen Ort zu schaffen, an dem die lebendige und wahrhaftige Begegnung mit Musik, Sprache, Literatur und Kultur möglich wird. Die Freiheit, Programme unabhängig von äußeren Zwängen zu gestalten, eröffnet Raum für kompromisslose künstlerische Auseinandersetzungen und den unmittelbaren Austausch zwischen Künstlern und Publikum.

 

So wird WINTERKLASSIK zu einem Festival, in dem jene Begegnungen Wirklichkeit werden können, die Franziska Pietschs künstlerischen Weg von Beginn an geprägt haben.

Winterklassik Festival Sorbisches Museum Bautzen
Winterklassik Festival Sorbisches Museum Bautzen

© 2025 WinterKlassik

  • Instagram
  • Facebook
  • Youtube
SSV_Logo-2.png

Fotos : Matthias Bulang,

              Uwe Arens,

              Sonja Werner,     
              Michael Reinicke

bottom of page